Liebe Schachfreundinnen und Schachfreunde !

Obwohl es Hinweise darauf gibt, dass Vorläufer des heutigen Schachspiels bereits 2500 vor Christus oder gar davor existiert haben, geht man gemeinhin davon aus, dass das Spiel seinen Ursprung im Indien des Sechsten Jahrhunderts nach Christus hat. Zu dieser Zeit wurde in Indien ein Brettspiel namens "Caturanga" bekannt, bei dem die Grundstellung der Figuren der Schlachtordnung einer indischen Armee entsprach. Caturanga gilt heute als die Urform des Schach. Von Indien aus gelangte es nach Persien. Die Perser gaben den Namen: "Schah" ist noch heute das persische Wort für "König"; "matt" bedeutet im Persischen "hilflos".

 

Im frühen Mittelalter brachten die Araber das Schachspiel nach Griechenland und über später gelangte es nach Mitteleuropa. Die abstrakten arabischen Spielsteine dienten als Vorbild für die auch heute noch bekannten europäischen Schachfiguren, die in ihrer Form über Jahrhunderte so gut wie unverändert blieben.

Schnell trat das königliche Spiel seinen Siegeszug in ganz Europa an. Die Menschen waren gefesselt von dem strategischen Spiel, sogar so sehr, dass man Kirchenfirst das Spiel als Teufelzeug beargwöhnte.

Die heutigen Schachspielregeln bildeten sich erst über die Jahrhunderte hinweg heraus. Zum Beispiel war die heute sehr mächtige Dame bei den Arabern im Mittelalter in Gestalt des "Wesirs" zunächst eine sehr schwache Figur: Sie zog nur diagonal auf das nächste Feld und blieb somit an die Farbe des Ursprungfeldes gebunden. Und der Läufer, damals noch in Form eines indischen Elefanten, sprang lediglich diagonal ins übernächste Feld und erreichte daher nur acht Felder. Also konnte kein Elefant einen anderen schlagen. Auch der Turm und der König sind einmal andere Wege gegangen. Dagegen scheint sich die originelle Zugweise des Springers nie verändert zu haben. Unerklärlich bleibt allerdings bis heute, wie der Springerzug entstanden ist. Denn für diese sonderbare Bewegung - zwei Schritte nach vorn, einen zur Seite - kennt die Natur keine Vorbilder. Vielleicht handelt es sich um eine typische Ausweichbewegung vor dem Feind.

Überraschende Finten, mehrdeutige Aktionen, verwirrende Kombinationen: Diese Elemente des Schachspiels wurden verstärkt durch die grundsätzlichen Regeländerungen Ende des 15. Jahrhunderts. Man spielte jetzt, wie die Italiener sagten, "alla rabiosa" - "auf stürmische Art". Erneut zeigte sich, dass Schach ein Spiegelbild gesellschaftlicher und militärischer Entwicklungen war. Denn gegen Ende des Mittelalters stürzte sich kein König mehr an der Spitze seines Heeres in die Schlacht. Und so wurde auch auf dem Spielbrett der König zu einer empfindlichen, schutzbedürftigen Figur. Er diente lediglich als Repräsentant des Spiels und konnte nie mehr als einen einzigen Schritt gehen.

Dagegen vergrößerte sich der Aktionsradius anderer Figuren: Bauern durften von nun an nicht mehr nur ein, sondern zwei Felder vorrücken. Läufer rannten über ihre Diagonalen bis an den Rand des Bretts. Die Dame eilte nach Belieben über alle Linien, Reihen und Diagonalen, bis sie auf einen Gegner traf. Sie war jetzt stärkste Figur. Historiker vermuten, dass die Verehrung der Gottesmutter Maria als "Himmelskönigin" ihr diese Stellung eingebracht hatte.

Heute ist das
Schachspiel das älteste und zugleich bekannteste aktiv gespielte Brettspiel der Welt.

 Timkid Hochstuhl